Ausbildung Justizfachangestellter

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Interessierst Du Dich für das Rechtssystem in Deutschland und möchtest selbst ein Teil davon werden? Kannst Du Dir vorstellen, mit Anwält:innen und Notar:innen Hand in Hand zu arbeiten und für Gerechtigkeit zu sorgen? Und wie klingt für Dich die Möglichkeit, dazu beizutragen, dass rechtliche Vorgänge fair und geregelt ablaufen?
Wenn Du eine Karriere anstrebst, die Dich sogar dazu qualifiziert, verbeamtet zu werden und somit ein sicheres Einkommen zu haben, dann könnte die Ausbildung zur Justizfachangestellten oder zum Justizfachangestellten genau das Richtige für Dich sein!
Solltest Du gut mit Zahlen und Verantwortung umgehen können, erfüllst Du bereits zwei wichtige Voraussetzungen für den Beruf der Justizfachangestellten bzw. des Justizfachangestellten.

Justizfachangestellte / Justizfachangestellter – Aufgaben & Beruf

Justizfachangestellte / Justizfachangestellter – Aufgaben & Beruf

Justizfachangestellte arbeiten im öffentlichen Dienst zum Beispiel auf Gerichtshöfen oder in Anwaltskanzleien und übernehmen dort wichtige Verwaltungsfunktionen.
Die detaillierten Aufgaben einer Justizfachangestellten oder eines Justizfachangestellten sind in der unten stehenden Tabelle für Dich zusammengetragen:
Tätigkeit Erklärung
Fristenüberwachung
  • Einhalten von gesetzlichen Fristen (z. B. Kündigungs- oder Abgabefristen)
  • Berechnen der Fristen nach deutscher Gesetzgebung
Schriftliche Arbeit
  • bei Verhandlungen oder Strafvernehmungen werden alle Vorgänge protokolliert
  • Eintragungen in Karteien (z. B. ins Handelsregister)
  • Anfertigung amtlicher Dokumente
  • Beglaubigungen (z. B. von Zeugnissen)
Service
  • Auskunft für Hilfe suchende Bürger:innen
  • Schriftverkehr mit Kund:innen
  • Akteneinsicht gewähren
Berechnungen
  • Erstellen von Kosten für Verhandlungen (z. B. Anwaltskosten)
  • Sichern und Beobachten von Zahlungseingängen
Organisation
  • Verwalten von Akten und Daten
  • Erstellen von Statistiken
  • Austausch mit Richter:innen, Jurist:innen und Rechtspfleger:innen

Abhängig von Deinem Arbeitsplatz können Deine Arbeitszeiten variieren. In der Regel arbeiten Justizfachangestellte allerdings vierzig Stunden in der Woche. Das bedeutet, dass Du an fünf Tagen der Woche ungefähr acht Stunden arbeiten wirst. Manchmal kann es außerdem vorkommen, dass Überstunden absolviert werden müssen, um Verfahren fristgerecht zu bearbeiten.

Justizfachangestellte / Justizfachangestellter – Ausbildung & Verdienst

Die Ausbildung zur Justizfachangestellten bzw. zum Justizfachangestellten dauert drei Jahre, kann aber verkürzt werden. Dafür können Du und Dein Ausbildungsbetrieb einen Antrag auf Verkürzung stellen, in dem Du Dir bereits erworbenes Fachwissen aus vorherigen Praktika oder Ausbildungen anrechnen lässt.
Um Dich bestmöglich auf den Alltag einer/eines Justizfachangestellten vorzubereiten, erfolgt die Ausbildung dual. Das bedeutet, dass Du zum einen in der Berufsschule lernst und zum anderen in einem Ausbildungsbetrieb arbeitest.
In der folgenden Übersicht ist der Inhalt der Ausbildung zur Justizfachangestellten und zum Justizfachangestellten nach Lehrjahr geordnet und in betriebliche bzw. berufsschulische Inhalte aufgeteilt:
Lehrjahre der Justizfachangestellten Berufsschule Betrieb monatliches Gehalt (brutto)
1. Lehrjahr
  • Arbeiten im öffentlichen Dienst
  • rechtliches Handeln
  • Einstieg ins Berufsleben
  • Umgang mit Daten und Textverarbeitungsprogrammen
  • Kommunikation im beruflichen Kontext
  • Arbeits- und Büroorganisation
980 bis 1.040 Euro
2. Lehrjahr
  • Beteiligung an
    • Zivilprozessen (auch Zwangsvollstreckung)
    • Strafprozessen
    • Familiensachen
  • Rechtsanwendung und Umgang mit:
    • Zivilprozessen (Ehesachen)
    • Strafprozessen
    • Ordnungswidrigkeiten
1.040 bis 1.090 Euro
3. Lehrjahr
  • Beteiligung an
    • Grundbuchprozessen
    • Erbschaftsprozessen
  • rechtliche und automatisierte Textgestaltung
  • wirtschaftliche Prozesse des öffentlichen Dienstes
  • Arbeit mit öffentlichen Registern
  • Rechtsanwendung und Umgang mit Zivilprozessen (Insolvenzen)
  • Entschädigungs- und Kostenrecht
  • Betreuung und familiengerichtliche Prozesse
1.090 bis 1.140 Euro

In Zivilprozessen werden privatrechtliche Ansprüche zwischen Bürgern gerichtlich geklärt. Darunter zählen auch Familiensachen, Ehesachen, Erbschaftsprozesse und Zahlungsklagen.


Eine Zwangsvollstreckung ist ein zivilrechtliches Verfahren, bei dem die Ansprüche einer Privatperson mit staatlichem Zwang durchgesetzt werden. Ein:e Gerichtsvollzieher:in kann zum Beispiel veranlassen, dass bewegliches Eigentum eines verschuldeten Menschen gepfändet wird, sofern dieser nicht in der Lage ist, seine Schulden zu begleichen.


In der Berufsschule wird Dir zusätzlich allgemeines Wissen in Deutsch, Sozialkunde und Wirtschaft vermittelt. Diese drei Fächer begleiten Dich die gesamte Ausbildung lang.


Am Ende des zweiten Lehrjahrs steht eine Zwischenprüfung an, in der Du Dich beweisen musst. Die Ausbildung zur Justizfachangestellten bzw. zum Justizfachangestellten wird am Ende des dritten Lehrjahrs mit einer schriftlichen Abschlussprüfung abgeschlossen.

Justizfachangestellte / Justizfachangestellter – Gehalt beim Berufseinstieg

Wie viel Gehalt Du monatlich pro Lehrjahr erhältst, kannst Du der vorangestellten Tabelle entnehmen. Doch wie verändert sich Dein Verdienst, sobald Du die Ausbildung zur Justizfachangestellten bzw. zum Justizfachangestellten abgeschlossen hast?


Ausgelernte Justizfachangestellte verdienen, abhängig von Bundesland und Arbeitsstelle, monatlich ca. 1.800 Euro bis 2.000 Euro brutto. Die höchste Vergütung erhalten Justizfachangestellte, die verbeamtet sind. Sie können pro Monat mit einem Gehalt von bis zu 2.600 Euro brutto rechnen.


Justizfachangestellte / Justizfachangestellter – Mögliche Ausbildungsbetriebe

Der theoretische Teil der Ausbildung zur Justizfachangestellten bzw. zum Justizfachangestellten wird an einer Berufsschule gelehrt, während der praktische Teil in einem der nachfolgenden Ausbildungsbetriebe des öffentlichen Dienstes stattfindet:


  • Rechtsanwaltskanzleien oder Staatsanwaltschaften
  • Straf-, Verwaltungs- oder Zivilgerichten
  • Notariaten

Justizfachangestellte / Justizfachangestellter – Weiterbildung

Nach der Ausbildung ist vor der Weiterbildung! Mit einer abgeschlossenen Ausbildung zur/zum Justizfachangestellten hast Du die Möglichkeit, Dich in verschiedenen Bereichen weiterzubilden:
Weiterbildungsart Voraussetzungen Dauer
Justizfachwirt:in mindestens 18 Monate Berufserfahrung als Justizfachangestellte:r 6 Monate
Beamte:r des mittleren Justizdienstes unter 28 Jahre alt 6 Monate
Gerichtsvollzieher:in zwischen 23 und 27 Jahre alt 1,5 bis 2 Jahre
Rechtswissenschaftliches Studium (Jura) Hochschulzugangsberechtigung (Abitur oder gleichrangiger Schulabschluss) Abhängig vom angestrebten Abschluss

  • zweites Staatsexamen: 7 Jahre
  • Bachelor: 3 Jahre
Justizfachangestellte / Justizfachangestellter –Voraussetzungen

Justizfachangestellte / Justizfachangestellter –Voraussetzungen

Um eine Ausbildung als Justizfachangestellte bzw. als Justizfachangestellter zu beginnen, gibt es keinen rechtlich vorgeschriebenen Schulabschluss. Die meisten Ausbildungsinstitute bevorzugen allerdings Bewerber:innen mit mittlerem Schulabschluss oder Hochschulreife.


Neben dem passenden Schulabschluss solltest Du aber auch weiteren Anforderungen entsprechen, die im Berufsalltag gefragt sind. Die folgende Tabelle zeigt Dir einige Voraussetzungen, die eine zukünftige Justizfachangestellte bzw. ein zukünftiger Justizfachangestellter erfüllen sollte:

Voraussetzung Erklärung
Hervorragende Ausdrucksweise
  • sehr gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift
  • präzises und gewähltes Formulieren im Kontakt mit Mandantinnen und Mandanten
Verantwortliches Handeln
  • Handeln im Sinne des Staates und der Bürger:innen
  • Sorgfältige Arbeit
  • Verschwiegenheit im Umgang mit empfindlichen Daten
  • Organisieren und Planen von wichtigen Terminen
Mathematische Kompetenz
  • Berechnen von Kosten oder Fristen

Justizfachangestellte / Justizfachangestellter – Einstellungstest

Möchtest Du eine Ausbildung im öffentlichen Dienst antreten, musst Du noch vor einem möglichen Vorstellungsgespräch einen Einstellungstest absolvieren. Aber keine Sorge – dieser Test ist immer gleich aufgebaut und kann mit ein wenig Übung gemeistert werden.


Im Einstellungstest wird überprüft, ob Du über die Kompetenzen verfügst, die eine Justizfachangestellte bzw. ein Justizfachangestellter benötigt. Dazu wird dieser Aufnahmetest in verschiedene Bereiche aufgeteilt, zu denen Du Fragen im Multiple-Choice-Format beantworten musst:

  • Deutschkenntnisse
  • Allgemeinbildung (in Bezug auf Strukturen des öffentlichen Dienstes)
  • Mathematikfähigkeiten

In einigen Fällen verlangen Ausbildungsbetriebe einen Justiz / JVA Sporttest. Dafür werden durch verschiedene Übungen Deine Kraft, Beweglichkeit und Schnelligkeit sowie Kondition und Koordination auf die Probe gestellt.

Der Test dient als Vorbereitung auf brenzlige Situationen, die zum Beispiel im Strafvollzug oder bei Zwangsvollstreckungen auftreten können.

Justizfachangestellte / Justizfachangestellter – Steckbrief

  • Justizfachangestellte bzw. Justizfachangestellter – Aufgaben:
    • Fristenüberwachung
    • Schriftliche Arbeit
    • Service
    • Berechnungen
    • Organisation
  • Justizfachangestellte bzw. Justizfachangestellter – Ausbildung:
    • dual für drei Jahre
    • Inhalte: digitale Texterstellung, rechtliches Handeln in z. B. Zivil-, Familien- und Strafprozessen, (wirtschaftliches) Handeln im öffentlichen Dienst
  • Justizfachangestellte bzw. Justizfachangestellter – Gehalt während der Ausbildung:
    • Lehrjahr 1: 980–1.090 Euro brutto
    • Lehrjahr 2: 1.040–1.090 Euro brutto
    • Lehrjahr 3: 1.090–1.140 Euro brutto
  • Verdienst – Justizfachangestellte bzw. Justizfachangestellter beim Berufseinstieg: zwischen 1.800 und 2.600 Euro brutto
  • Beruf – Justizfachangestellte bzw. Justizfachangestellter-Weiterbildungen:
    • Justizfachwirt:in
    • Gerichtsvollzieher:in
    • Beamte:r des mittleren Justizdienstes
    • Jurastudium
  • Justizfachangestellte bzw. Justizfachangestellter – Voraussetzungen:
    • hervorragende Ausdrucksweise
    • verantwortliches Handeln
    • mathematische Fähigkeiten
  • Vor dem Bewerbungsgespräch zur Justizfachangestellten bzw. zum Justizfachangestellten muss ein Einstellungstest bestanden werden.

FAQs

Um Justizfachangestellter zu werden, benötigen Sie in der Regel einen mittleren Schulabschluss. Zudem sind gute Noten in Deutsch und Mathematik wichtig. Rechtliches Interesse, Sorgfalt und Kommunikationsfähigkeit sind ebenfalls vorteilhaft. Schließlich ist eine 3-jährige duale Ausbildung zu absolvieren.

Der Einstellungstest für eine Ausbildung als Justizfachangestellte/r enthält typischerweise Teile wie ein Diktat, Textverständnis, Mathematikaufgaben, Allgemeinwissen, logisches Denken und ein persönliches Interview. Die genauen Inhalte können jedoch je nach Bundesland variieren. Es ist ratsam, sich mit den Grundlagen der deutschen Rechtsprechung vertraut zu machen und grundlegende Büro- und Verwaltungsfähigkeiten zu üben.

Während der Ausbildung zur Justizfachangestellten liegt das Gehalt im ersten Ausbildungsjahr meist zwischen 1.000 und 1.100 Euro brutto, im zweiten Jahr zwischen 1.100 und 1.200 Euro und im dritten Jahr zwischen 1.200 und 1.300 Euro. Nach abgeschlossener Ausbildung unterscheidet sich das Einstiegsgehalt je nach Bundesland und liegt generell zwischen 2.200 und 2.400 Euro brutto im Monat. Natürlich kann es je nach Berufserfahrung und Position zu Gehaltserhöhungen kommen.

Nach einer abgeschlossenen Ausbildung zur Justizfachangestellten gibt es verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten. Dazu gehören zum Beispiel die Fortbildung zum Justizfachwirt oder eine Weiterbildung im Bereich des Justiz- und Vollzugsdienstes. Außerdem besteht die Möglichkeit, ein Studium in einem relevanten Bereich, wie Rechtswissenschaften oder Betriebswirtschaft, aufzunehmen.
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