Ausbildung Tischler

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Vielleicht hat Deine Familie schon einmal einen Brief bekommen, in dem stand: „Wir kommen zwischen 8 Uhr und 16 Uhr, bitte seien Sie Zuhause“. Ein klassischer Brief von Handwerkern oder Handwerkerinnen, wenn Sie zur Arbeit zu einem nach Hause kommen. Auch Du könntest in Zukunft solche Briefe an Kunden und Kundinnen verschicken.


Du packst gerne an und möchtest handwerklich tätig werden? Du liebst Holzgeruch und Späne? Dann ist der Beruf bzw. die Ausbildung als Tischler oder Tischlerin vielleicht genau Dein Ding.


Tischler oder Tischlerinnen werden auch oft als Schreiner oder Schreinerinnen bezeichnet. Das kommt daher, dass im Norden Deutschlands zu „Kisten“ auch „Tisch“ gesagt wurde und im Südwesten wurden sie „Schrein“ genannt. In anderen Teilen Deutschlands heißen „Kisten“ „Kisten“, weshalb es auch die Berufsbezeichnung „Kistner:in“ oder „Kistler:in“ gibt.


Alle hier genannten Begriffe bezeichnen jedoch denselben Beruf und beinhalten die gleichen Aufgaben. Laut Handwerksbezeichnung ist die offizielle Berufsbezeichnung jedoch „Tischler“ oder „Tischlerin„.

Tischlerin / Tischler – Aufgaben

Tischlerin / Tischler – Aufgaben

Bevor Du eine Entscheidung triffst, fragst Du Dich sicher: Was macht eigentlich ein Tischler bzw. eine Tischlerin?


Die Aufgaben als Tischler oder Tischlerin können in drei große Themengebiete eingeteilt werden:


  • Organisation und Planung: hierbei stehst Du im engen Kundenkontakt. Oftmals arbeitest Du dazu mit Handskizzen, aber noch häufiger werden Computerprogramme genutzt, um auch eine 3D-Sicht zu bieten.

  • Holzbearbeitung: dieser Teil Deiner Aufgaben erfolgt, sobald Du die Planung abgeschlossen hast. Du verarbeitest in diesem Schritt das Holz, indem Du es zum Beispiel zurechtsägst und schleifst.

  • Maschinenbedienung: insbesondere bei größeren Holzstücken werden für die Verarbeitung heutzutage große Maschinen genutzt. Auch das Verleimen von Teilen geschieht oft auf Maschinenbasis.

Tischlerin / Tischler – Arbeitszeiten


Als Tischler oder Tischlerin arbeitest Du in den meisten Betrieben in Vollzeit in einer 38,5 Stunden-Woche. In der Regel arbeitest Du werktags zwischen 8 und 16 Uhr, es gibt aber auch Betriebe, die früher anfangen oder später am Tag starten. Erkundige Dich am besten immer bei Deinem Arbeitgeber oder Deiner Arbeitgeberin, mit welchen Arbeitszeiten Du rechnen kannst.

Tischlerin / Tischler – Ausbildung

Tischlerin / Tischler – Ausbildung

Das klingt ja alles schön und gut, aber wie wirst Du denn eigentlich Tischler oder Tischlerin?


Dafür schließt Du eine duale Ausbildung ab, die in der Regel drei Jahre dauert. Das heißt, Du verbringst einige Tage in der Berufsschule und dann einige Tage in Deinem Betrieb. So kannst Du Dein Wissen zu den Aufgaben und wie diese durchgeführt werden zum einen theoretisch aufbauen, gleichzeitig aber auch in der Praxis direkt anwenden und festigen.


In der Berufsschule wirst Du in Deiner Ausbildung zum Tischler bzw. zur Tischlerin zum Beispiel lernen:


  • Welche Werkstoffe und Bauelemente gibt es?
  • Grundlagen zur Produktinstandhaltung, -herstellung und -montage
  • Mathe
  • Deutsch
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Weitere Inhalte, die Du an der Schule lernst und im Betrieb als angehender Tischler bzw. Tischlerin vertiefst, sind folgende:


  • Informations- und Kommunikationssysteme: wie funktionieren sie und wie bedienst Du sie?
  • Erzeugnisse gestalten und konstruieren: Was kannst Du aus Holz herstellen?
  • Holzbearbeitung und der Umgang mit anderen Werkstoffen, wie Spanplatten
  • Oberflächenbehandlung: wie kann das Möbelstück schön aussehen und gleichzeitig geschützt werden?
  • Umgang mit Werkzeugen & Maschinen: wie werden sie bedient und Instand gehalten?
  • Montage und Demontagearbeiten
  • Planen und Vorbereiten: Arbeitsabläufe, Kundenkontakte, Herstellung und Montagearbeiten müssen im Voraus geplant werden.
  • Arbeitsplatzsicherung
  • Qualitätssicherung
  • Arbeits- und Tarifrecht
  • Nachhaltigkeit und Umweltschutz
  • Digitalisiertes Arbeiten mit speziellen 3D-Programmen

In Deiner Ausbildung zum Tischler oder zur Tischlerin wirst Du in der Regel im zweiten Jahr eine Zwischenprüfung ablegen, in der Dein bisherigen Wissen überprüft wird. Am Ende der Ausbildung steht die Gesellenprüfung an. Wenn Du sie bestehst, darfst Du Dich offiziell als Tischlergeselle oder Tischlergesellin bezeichnen.


Tischlerin / Tischler – Umschulung

Wenn Du bereits eine Ausbildung gemacht hast, aber noch mal eine Umschulung abschließen möchtest, kannst Du ebenfalls zum Tischler oder zur Tischlerin werden. In der Regel dauert eine Umschulung genauso lang wie die Ausbildung, also drei Jahre. Du kannst aber bei besonders guten Leistungen auch eine Verkürzung bei der Betriebs- und Handelskammer (IHK) beantragen.


Je nach Umschulung wird der Unterricht und die Arbeit im Betrieb genauso dual ablaufen wie in der Ausbildung. Es gibt aber auch Kurse, die eine dreimonatige Praxiszeit und sonst keine weitere Zeit im Betrieb erfordern.


Tischlerin / Tischler – Gehalt & Dauer

Die folgende Tabelle gibt Dir einen Überblick über den Ausbildungsverlauf und das Gehalt, das auf Dich zukommen kann.

Verlauf der Ausbildung zum Tischler bzw. zur Tischlerin Gehalt im Monat
Erstes Ausbildungsjahr 566–800 Euro brutto
Zweites Ausbildungsjahr 700–900 Euro brutto
Drittes Ausbildungsjahr 800–1.000 Euro brutto
Erstes Berufsjahr (Einstiegsgehalt) 1.500–2.100 Euro brutto

Je nach Bundesland und Unternehmensgröße kann sowohl Dein Ausbildungsgehalt, als auch Dein späteres Jahresgehalt variieren.


Tischlerin / Tischler – Top Ausbildungsbetriebe

Vielleicht denkst Du, dass Du als Tischler oder Tischlerin eher wenige Auswahlmöglichkeiten in Deiner Betriebswahl hast. Das ist aber nicht der Fall. Tatsächlich kannst Du je nach Deinen Interessen nicht nur in Deiner lokalen Tischlerei arbeiten, sondern in verschiedenenBranchen tätig werden. Die beliebtesten Branchen für Tischler und Tischlerinnen sind:


  • Möbelhersteller: meistens in Deiner lokalen Tischlerei, aber auch bei größeren Unternehmen, wie Ikea oder Otto.
  • Tischlerhandwerk oder Bautischlereien: hier belieferst Du meist größere Vertriebe und Gewerbeunternehmen.
  • Akustikschreinerei: auch ein Klavier benötigt Holz in der Herstellung. Bist Du also musikinteressiert, kannst Du Dich auf die Herstellung von Musikinstrumenten spezialisieren.
  • Messebaubetriebe: ob kleine Stände oder die Einrichtung ganzer Messehallen, als Tischler oder Tischlerin kannst Du Dich bei ihrem Bau integrieren.
  • Theater: dabei geht es oft um die Herstellung von Bühnenbildern oder Requisiten.

Tischlerin / Tischler – Weiterbildungen

Wie Du bereits weißt, darfst Du Dich am Ende Deiner Ausbildung als Geselle oder Gesellin bezeichnen. Doch das ist nicht das Ende Deiner Karriereleiter. Die meisten Tischler und Tischlerinnen legen nach ihrer Ausbildung noch den Meisterbrief ab.
Möchtest Du eine eigene Tischlerei oder Schreinerei als Tischler bzw. Tischlerin eröffnen, ist der Meisterbrief sogar ein Muss.

Tischlerin / Tischler – Meisterbrief


Der Meisterbrief gliedert sich in vier Teile und am Ende seines Erwerbs hast Du einen Abschluss, der mit einem akademischen Bachelor vergleichbar ist.
In der Regel belegst Du als Tischler bzw. Tischlerin im Rahmen der Meisterschule 1.190 Unterrichtseinheiten:
  • 160 Stunden Fachpraxis
  • 710 Stunden Fachtheorie
  • 240 Stunden Betriebswirtschaftslehre
  • 80 Stunden Ausbilderschein

Die Fachpraxis besteht aus Weiterbildungen zur Banklehre, Oberflächenlehre und Maschinenlehre. In der Fachtheorie vertiefst Du Dein Wissen aus der Ausbildung zum Tischler bzw. zur Tischlerin. Das heißt, Du lernst mehr zu den folgenden Themen:
  • Konstruktion, Gestaltung und Fertigungstechnik
  • Montage und Instandhaltung
  • Auftragsabwicklung
  • Betriebsführung und -organisation

Wenn Du Dein Wissen fachspezifisch gefestigt hast, lernst Du mehr gewerkeübergreifende Inhalte. In der Betriebswirtschaftslehre wird Dir Wettbewerbsfähigkeit nähergebracht und Du lernst auch, wie Du diese bei anderen Unternehmen bewerten kannst. Zusätzlich lernst Du mehr zur Unternehmensgründung und schließlich zur Unternehmensführung.
Zu guter Letzt rundest Du Deine Weiterbildung zum Meister mit dem Ausbilderschein ab. Dieser erlaubt es Dir, andere Tischler und Tischlerinnen auszubilden.

Tischlerin / Tischler – Weiterbildungen als Alternative zum Meisterbrief


Natürlich musst Du keinen Meisterbrief als Tischler oder Tischlerin absolvieren. Du hast auch alternative Möglichkeiten zur Weiterbildung. Einige davon siehst Du im Folgenden:
  • Gebäudeenergieberater:in
  • Fertigungsplaner:in
  • Restaurator:in
  • Veranstaltungstechnik
  • Management

Mit dem Meisterbrief steht Dir außerdem die Möglichkeit offen zu studieren. Du könntest unter anderem Holzwirtschaft oder Architektur an einer Universität lernen.
Tischlerin / Tischler – Voraussetzungen & Fähigkeiten

Tischlerin / Tischler – Voraussetzungen & Fähigkeiten

Das klingt ja alles schön und gut, denkst Du Dir, aber Du bist Dir noch nicht sicher, ob Du der oder die Richtige für den Job bist? Im Folgenden erfährst Du, welche Voraussetzungen und Fähigkeiten Du für den Beruf als Tischler oder Tischlerin mitbringen solltest:


  • Spaß mit Holz umzugehen: dies ist vermutlich die wichtigste Voraussetzung, da Dein Berufsalltag hauptsächlich mit Holz zu tun haben wird.
  • handwerkliches Geschick: Du kannst es zwar auch lernen, doch es wird Dir die Arbeit erleichtern, wenn Du keine zwei linken Hände hast.
  • räumliches Vorstellungsvermögen: da Du auch oft neue Möbel oder ganze Raumsets fertigen wirst, ist es wichtig, dass Du Dir bereits vor dem Bauen einen Überblick verschaffst, wie alles am Ende aussehen wird.
  • künstlerische Fähigkeiten: nein, niemand erwartet, dass Du der nächste Piccasso wirst. Doch auch wenn heutzutage viele Skizzen am Computer angefertigt werden, ist es hilfreich, wenn Du auch per Hand Pläne und Designs skizzieren kannst.
  • technisches Verständnis: da Du auch viel mit großen Maschinen arbeiten wirst, solltest Du zumindest keine Scheu haben, Dich auch mit technischen Grundlagen auseinanderzusetzen.
  • Sorgfalt: sicher gibt es auch in Deinem Zuhause ein oder zwei selbst angebrachte Möbelstücke, die ein wenig schief hängen. Als Tischler oder Tischlerin ist es jedoch wichtig, dass Du millimetergenau arbeitest, um das bestmögliche Ergebnis herauszuholen.
  • körperliche Fitness: egal ob Schrankwand, Parkett, Stuhl oder Sofa, Gegenstände aus Holz sind schwer. Deine körperliche Verfassung spielt also eine große Rolle, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren.
  • Kommunikations- und Teamfähigkeit: oftmals wirst Du im Team arbeiten, um die schweren Holzstücke zu bearbeiten, aber auch die Arbeit mit Kunden und Kundinnen erfordert häufig Kommunikation.

Tischlerin / Tischler – Steckbrief

  • Tischlerin bzw. Tischler – Aufgaben:
    • Organisation & Planung
    • Holzbearbeitung
    • Maschinenbedienung
  • Tischlerin bzw. Tischler – Arbeitszeiten: werktags zwischen 8 und 16 Uhr
  • Tischlerin bzw. Tischler – Ausbildung
    • dual für drei Jahre
    • Theoretische Inhalte: Grundlagen zur Produktinstandhaltung, -herstellung und -montage, Wirtschafts- und Sozialkunde, Mathematik und Deutsch
    • Praktische Inhalte u. a.: Informations- und Kommunikationssysteme, Holzbearbeitung, Oberflächenbehandlung, Montage und Demontage, Planung und Vorbereiten, Qualitätssicherung
    • Tischlerin bzw. Tischler – Umschulung möglich, mit gleichen Inhalten
  • Tischlerin bzw. Tischler – Gehalt bei Berufseinstieg: zwischen 1.500 und 2.100 Euro brutto im Monat
  • Tischlerin bzw. Tischler – Weiterbildungen:
    • Meisterbrief
    • Gebäudeenergieberater:in
    • Restaurator:in
  • Tischlerin bzw. Tischler – Voraussetzungen:
    • Spaß am Umgang mit Holz
    • handwerkliches Geschick
    • technisches Verständnis

FAQs

Ein Tischler oder eine Tischlerin plant, fertigt und montiert Möbel und Innenausstattungen. Sie bearbeiten Holz und andere Materialien, führen Reparaturen durch und restaurieren alte Möbelstücke. Zudem beraten sie Kunden hinsichtlich Materialauswahl und Design.

Der Arbeitsalltag eines Tischlers oder einer Tischlerin besteht darin, verschiedenste Gegenstände aus Holz zu fertigen, zu reparieren oder zu restaurieren. Dazu gehören Möbel, Türen, Fenster, Treppen und vieles mehr. Die Arbeit beinhaltet Planung, Zeichnen, Zuschneiden und Zusammenbauen von Holzteilen. Darüber hinaus kann es auch Kundenbetreuung beinhalten, um individuelle Wünsche und Bedürfnisse zu erfüllen.

Die Ausbildung zum Tischler/zur Tischlerin dauert in der Regel 3 Jahre und ist dual organisiert. Das bedeutet, sie findet sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule statt. Im Betrieb erlernen die Auszubildenden die praktischen Fähigkeiten, wie das Planen und Herstellen von Möbeln oder das Einbauen von Fenstern und Türen. In der Berufsschule werden ihnen theoretische Kenntnisse vermittelt. Nach der Ausbildung können sie die Gesellenprüfung ablegen.

Als zukünftige:r Tischler:in sollte man handwerkliches Geschick, technisches Verständnis und räumliches Vorstellungsvermögen mitbringen. Ein guter Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss ist ebenfalls oft gefordert.
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